Entscheidungen: „WEG von …“ ODER „HIN zu …“? – Warum dieser Unterschied oft unterschätzt wird

Seit über 20 Jahren begleite ich Menschen bei wichtigen Entscheidungen oder reflektiere diese mit ihnen – etwa in strategischen Kontexten oder in Auswahlinterviews. Dabei zeigt sich für mich immer wieder ein zentraler Unterschied zwischen „weg von“- und „hin zu“-Entscheidungen. Der Unterschied in der Richtung liegt zunächst auf der Hand: „Weg von“ bedeutet die Abkehr von etwas Unangenehmem, Belastendem oder gar Toxischem. Wir handeln aus Frust, Druck oder Schmerz heraus. Dabei geht es um Befreiung, Entlastung oder zumindest um eine Verbesserung der Situation oder ihres Empfindens. Dafür benötigen wir keine konkrete Zielrichtung – es reicht, sich vom Bestehenden zu entfernen. „Hin zu“ bedeutet hingegen ein bewusstes Ausrichten auf ein Ziel und daraus abgeleitete zielgerichtete Aktionen. Hier folgt das Handeln dem Sog des Reizvollen, der Lust auf bzw. an Entwicklung, Verwirklichung oder Sinn. Dabei geht […]
Fußfessel oder Goldener Käfig?

Kürzlich im Sparring diskutierte ich mit einem Kunden eine irritierende Situation: Warum verhält sich ein älterer Kollege in wichtiger Position und kurz vor der Rente so komisch, so wider seine Natur? Warum setzt er Dinge um und durch, die vollkommen gegen sein Wertesystem verstoßen? Nach einigen Überlegungen blieb einzig die These, dass er sich unter massivem Druck fühlen musste, wahrscheinlich mehreren Drücken: Vielleicht ist sein Haus noch nicht vollständig abbezahlt? Vielleicht befinden sich die Kinder noch in Schule, Ausbildung oder Studium? Vielleicht ist er für pflegebedürftige Personen verantwortlich? Vielleicht hat er eine Krankheit oder eine andere Einschränkung? Oder vielleicht hat er Stress in der Beziehung? Ursachen kann es viele geben. Das machte meinen Kunden stutzig. Er hielt sich für frei […]
Schwere Entscheidungen?

Kürzlich wurde ich gefragt: Wie triffst du schwere Entscheidungen? Das hat mich zum Nachdenken angeregt. Ich habe mein eigenes Entscheidungsverhalten reflektiert, auf mein Umfeld geschaut und mich an meine Kunden erinnert, die ich als Sparringspartner und Ratgeber begleiten darf. Dabei wurde klar: für mich gibt es zwei Arten von schweren Entscheidungen. 1. Große Entscheidungen mit enormer Tragweite, hohen Ausgaben oder größeren Risiken und 2. Schwierige Entscheidungen mit einem Widerspruch zwischen Kopf und Bauchgefühl (Ambivalenz). Die großen Entscheidungen sind regelmäßig deshalb schwer, weil wir das Gefühl haben, § zu wenig zu wissen (Unsicherheit), § sehr viel zu investieren (Geld, Aufwand, Emotionen), § sehr lange oder „ewig“ gebunden zu sein und/oder § hohe Risiken einzugehen. In der Regel helfen hier aber […]